EIN FESTIVAL WIE EINE UMARMUNG
ZEHN TAGE SHALOM-MUSIK.KOELN UND EINE STADT, DIE ZUGEHÖRT HAT
Liebe Freundinnen und Freunde von SHALOM-MUSIK.KOELN,
zehn Tage voller Musik, Begegnungen und bewegender Momente. Zehn Tage mit vollen Kirchen und Konzertsälen, langen Schlangen vor den Spielstätten und einem Publikum, das sich mit großer Offenheit auf jüdische Musik in all ihren Facetten eingelassen hat. Vor allem aber waren es zehn Tage, in denen die Menschen tatsächlich getan haben, wozu unser Festivalmotto sie eingeladen hatte: Sie haben zugehört. Mehr als 8.000 Besuche bei Konzerten, Gesprächen und Begegnungen, zahlreiche ausverkaufte oder sogar überfüllte Spielstätten: SHALOM-MUSIK.KOELN 2026 war für alle ein großer Erfolg.
KÖLN HAT ZUGEHÖRT
„ZUHÖREN“ war das Motto unserer vierten Festivalausgabe. Wir wollten Räume schaffen, in denen Menschen einander begegnen: in der Synagoge und im Kölner Dom, in Kirchen, Museen, Theatern und Konzertsälen. Jüdische Musik sollte nicht nur gehört, sondern in ihrer ganzen Vielfalt erlebt werden – traditionsreich und zeitgenössisch, nachdenklich und ausgelassen, vertraut und überraschend neu. Genau das ist geschehen.
EIN AUFTAKT, DER NACHWIRKTE
Schon das ausverkaufte Eröffnungskonzert in der Kölner Flora zeigte, welche Kraft in dieser Verbindung liegt. 700 Gäste erlebten unter dem Titel „Zu Gast bei Hilde Domin“ einen Abend, an dem Musik, Literatur und jüdische Geschichte zusammenfanden.
Der Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins sang unter der Leitung von Bernhard Steiner die von Shay Cohen neu vertonten Gedichte Hilde Domins. Sharon Brauner und The Toy Goys brachten jiddischen Witz, Melancholie und überschäumende Lebensfreude auf die Bühne. Unser Artist in Residence Bar Zemach eröffnete den Abend mit dem Schofar und verlieh den neuen Liedern mit seinem Horn eine besondere Tiefe.
Die Jüdische Allgemeine überschrieb ihre Besprechung mit „So klingt das Leben!“. Sharon Brauner habe die Menschen im ausverkauften Saal „an die Hand“ genommen, schrieb die Zeitung. Shay Cohen sei es gelungen, die Gedichte Hilde Domins „wunderbar warmherzig einzuhüllen“. Ihr schönstes Urteil lautete: „Die vier Lieder waren wie eine große Umarmung.“
Der Kölner Stadt-Anzeiger stellte seinen ausführlichen Bericht unter die Überschrift „Wenn das Antilopen-Horn jauchzt“. Der Musikkritiker Rainer Nonnenmann beschrieb, wie Bar Zemach selbst aus einem einzigen langen Ton eine lebendige Geschichte von Werden, Aufblühen und Vergehen entstehen ließ. Besonders beeindruckten ihn die Vielfalt an Tonhöhen, Dynamik und Klangfarben. Und auch aus dem Publikum erreichten uns viele Reaktionen, die uns tief berührt haben. Eine Besucherin schrieb: „Normalerweise genießt man ein Konzert, denkt noch eine Weile daran zurück, und dann holt einen der Alltag wieder ein. Bei Ihrem Eröffnungskonzert war das anders. Der Abend wirkt nach“. Eine weitere bezeichnete die Eröffnung in einer öffentlichen Eventim-Rezension als „wundervolles Konzert“ und die Darbietungen als „fantastisch“. Ihr schönstes Kompliment: „Viel zu schnell war der Abend vorbei.“
Eine besondere Überraschung hatte sich Bar Zemach für das Finale aufgehoben: Auf dem Schofar spielte er „Unsere Stammbaum“ von den Bläck Fööss. Ein kölsches Identitätslied, das von Herkunft, Vielfalt und Zusammenhalt erzählt – gespielt auf einem der ältesten Instrumente der jüdischen Tradition. Diese Verbindung hatte es zuvor noch nie gegeben. Als der ganze Saal mitsang, wurde aus der kölschen Hymne ein musikalisches Bild für das, was SHALOM-MUSIK.KOELN erreichen möchte: Menschen zusammenzubringen. Die Standing Ovations wollten kaum enden.
SHARON BRAUNER IN PORZ
Einen Abend später nahm Sharon Brauner ihr Publikum im Rathaus Porz mit auf eine musikalische Reise durch ihre eigene Biografie. Gemeinsam mit The Toy Goys sang sie jiddische Evergreens wie „Bei mir bist du sheyn“ und „Tumbalalaika“ – mit Witz, Melancholie und jener ungebremsten Lebensfreude, die ihre Auftritte auszeichnet. Uns war wichtig, mit SHALOM-MUSIK.KOELN nicht nur in der Innenstadt präsent zu sein. Deshalb führte uns dieses Konzert bewusst auf die rechte Rheinseite.
EINE EINMALIGE MUSIKALISCHE BEGEGNUNG
Zu den außergewöhnlichen Abenden des Festivals gehörte das Konzert des Mandolinisten Avi Avital und des Jazzpianisten Omer Klein im ausverkauften Ventana. Die beiden weltbekannten Musiker bewegten sich mühelos zwischen Bach, Jazz, Folklore und freien musikalischen Dialogen. Dieses Konzert war etwas Besonderes, weil die beiden Musiker in der Form nur bei SHALOM-MUSIK.KOELN zu erleben waren. Sie nahmen musikalische Gedanken des anderen auf, führten sie weiter und überraschten sich gegenseitig. Ihre Musik entstand aus dem Augenblick: virtuos, leicht und zugleich von großer Tiefe. Auch Avi Avital und Omer Klein waren von der Atmosphäre und der Aufmerksamkeit im Saal sichtlich bewegt. Nach dem Konzert blieben viele Gäste noch lange im Foyer. Niemand wollte diesen besonderen Abend so schnell enden lassen.
EIN SCHABBAT, DER MENSCHEN ZUSAMMENBRACHTE
Zu einem der großen Publikumserfolge des Festivals wurde erneut der Open Shabbat – diesmal in der Antoniterkirche. Gemeinsam mit Rabbi Jonathan Kligler, Pfarrer Markus Herzberg, Chasan Jalda Rebling und Robert Bard am Kontrabass begrüßten jüdische und nichtjüdische Menschen den Schabbat. Dass ein Schabbat so offen und selbstverständlich gemeinsam gefeiert wurde, fand gerade auch bei unseren jüdischen Gästen viel Zustimmung. Es ging darum, einander respektvoll zu begegnen, gemeinsam zu singen und für einen Abend etwas miteinander zu teilen. Der Open Shabbat war einer der großen Publikumsmagnete des Festivals.
Direkt anschließend brachten Reggie Harris und Rabbi Jonathan Kligler mit „Let My People Go“ den Geist der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in die Antoniterkirche. Sie erzählten von der engen Verbindung jüdischer Gemeinden mit dem Kampf der afroamerikanischen Bevölkerung um Gleichberechtigung. Doch sie erzählten nicht nur – sie sangen mit dem Publikum. „Turn! Turn! Turn!“, „If I Had a Hammer“ und andere große Lieder wurden zu gemeinsamen Hymnen. Den beiden amerikanischen Künstlern gelang es, die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum aufzulösen.
TIKKUN OLAM UND DIE HOFFNUNG AUF HEILUNG
Beim Familienkonzert am Nachmittag begegneten Kinder und Erwachsene Bar Zemach und dem Jewish Chamber Orchestra Hamburg. Sie erfuhren, wie ein Schofar klingt, welche Bedeutung es in der jüdischen Tradition hat und wie Bar Zemach diesem uralten Instrument ganze Melodien entlockt. Am Abend wurde es bei „Tikkun Olam“ (hebräisch: „Heilung der Welt“) ernst und zugleich hoffnungsvoll. Gemeinsam mit dem Jewish Chamber Orchestra Hamburg unter der Leitung von Emanuel Meshvinski und dem Pianisten Jascha Nemtsov brachte Bar Zemach die Uraufführung von Gerald Cohens „Hineni – Here I Am“ auf die Bühne. „Hineni“ bedeutet: Hier bin ich. Es ist die Antwort eines Menschen, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Gerald Cohen verbindet in seiner Komposition jüdische Tradition mit einer zeitgenössischen musikalischen Sprache. Zusammen mit Musik von Gustav Mahler und Astor Piazzolla entstand ein Konzert über Verletzlichkeit, Resilienz und die Hoffnung, dass eine beschädigte Welt dennoch geheilt werden kann.
DER LANGE TAG BEGANN IN DER SYNAGOGE
Das Herzstück unseres Festivals war auch 2026 der Lange Tag mit jüdischer Musik. Von morgens bis in den späten Abend führte er bei freiem Eintritt an 17 Orte in der ganzen Stadt. Mehr als 5.200 Besuche haben wir allein an diesem Tag gezählt. Der Tag begann in der Synagoge mit dem Morgenkonzert „Wenn der Schofar ruft“. Die Kantoren Mordechaj Tauber und Yonatan L. Adler, begleitet von Pianist Roman Salyutov und Bar Zemach am Schofar, eröffneten einen Tag, an dem ganz Köln zur Bühne jüdischer Musik wurde. Auch Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, ließ sie sich von Bar Zemach persönlich erklären, wie es ihm gelingt, dem Schofar nicht nur die traditionellen Signale, sondern ganze Melodien zu entlocken. Das Schofar kommt ohne Ventile, Klappen oder Mundstück aus. Die unterschiedlichen Tonhöhen entstehen allein durch Atemtechnik und Lippenspannung. Bar Zemach spielt das Instrument melodisch und chromatisch und eröffnet ihm damit eine völlig neue musikalische Welt.
Das Carillonkonzert mit Christian Michel an St. Maria in der Kupfergasse war so stark besucht, dass der Platz die vielen Menschen kaum fassen konnte. Die Glockenklänge machten jüdische Musik auch für all jene hörbar, die vielleicht nur zufällig vorbeikamen.
Roman Grinberg brachte im Belgischen Haus jüdischen Humor mit Wiener Schmäh zusammen. Das Publikum durfte nicht nur lachen, sondern sogar eigene jüdische Witze erzählen. Daraus entwickelte sich eine spontane und höchst vergnügliche Begegnung, bei der herzlich gelacht wurde. Auch das gehört zu unserem Festival: jüdische Kultur nicht nur mit Verfolgung, Trauer und Erinnerung zu verbinden, sondern ebenso mit Humor, Selbstironie und Lebensfreude.
Die Antoniterkirche wurde erneut zu einem der großen Hotspots des Tages. Reggie Harris und Jonathan Kligler füllten mit „Songs as Prayers“ nicht nur jeden verfügbaren Platz. Rund um die Kirche warteten weitere Menschen, die das Konzert hören wollten. Den beiden Künstlern gelang erneut etwas Besonderes: Sie überwanden die Grenze zwischen Bühne und Publikum. Die Menschen hörten zu, sangen mit und wurden selbst Teil des Konzerts. Aus einzelnen Stimmen entstand ein gemeinsamer Klang und aus einem Programmpunkt ein Erlebnis, über das noch lange gesprochen wurde.
Im EL-DE-Haus waren die Töne leiser, aber nicht weniger eindringlich. Roy Amotz und Netta Weiser verbanden Flöte, Elektronik und Bewegung zu einer zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Erinnerung und Gegenwart. An diesem geschichtsträchtigen Ort bekam ihre Musik eine besondere Intensität.
Frech, überraschend und trotzdem genau richtig war Susanne Weinhöppel im Senftöpfchen-Theater. Ihr Programm „Passt nicht ins Programm“ passte gerade deshalb hervorragend in diesen Langen Tag. Mit Harfe, Sprachwitz und musikalischer Eigenwilligkeit begeisterte sie das Publikum: klug, komisch und alles andere als gefällig.
Im MAKK verband Anna Margolina bei „Song of a Girl“ jüdische Lyrik mit Jazz. Diese Kombination war in ihrer Form etwas ganz Besonderes. Gedichte wurden nicht nur rezitiert oder vertont, sondern traten in einen lebendigen Dialog mit improvisierter Musik. Worte und Klänge öffneten einander neue Räume.
Das Trio Seramonica bezauberte mit der wundervollen Besetzung Cello, Harfe und Klavier und dem Kol Nidre des Kölner Komponisten Max Bruch, sowie der Komposition NIGGUN, die von Anna Segal eigens für das Trio komponiert wurde.
Jalda Rebling und Ars Choralis Coeln schlugen mit ihrer Psalmen-Andacht den Bogen von den hebräischen T’hilim zu den christlichen Psalmen. Tamar Halperin verband im Literaturhaus Werke von Bach und Buxtehude mit zeitgenössischen Einflüssen. Jakub Stefek widmete sich in St. Aposteln der Orgelmusik Louis Lewandowskis. Im Sancta Clara Keller machten Pia Viola Buchert und Tatjana Dravenau hundert Jahre jüdischen Liedschaffens hörbar.
Auch der Stolperstein-Rundgang des Kölner Alpenvereins gehörte zu diesem Tag. Er erinnerte an jüdische Vereinsmitglieder, die verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, und verband Musik mit der Geschichte von Menschen in dieser Stadt.
Zu den bewegendsten Momenten des Langen Tages gehörte die Uraufführung von Gilad Hochmans „In Memoriam“ für Schofar und Klavier im Bechstein-Centrum. Die Komposition entstand als Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Sie klagt das menschliche Leid an, ohne es in große Gesten zu verpacken. Gerade in der Verbindung von Klavier und Schofar wurde erfahrbar, was dieser Tag für viele Menschen bis heute bedeutet. Auch für die Interpreten Bar Zemach und Jascha Nemtsov war die Aufführung eine emotionale Herausforderung. Die Ereignisse des 7. Oktober und ihre Folgen sind für sie und für uns alle keine ferne Geschichte. Sie tragen sie mit sich.
Mitreißend wie immer waren The Klezmer Tunes im Consilium. Ihre Musik hielt niemanden lange still. Sie verband große Spielfreude mit jener Mischung aus Melancholie und Ausgelassenheit, die Klezmer so unverwechselbar macht.
Im Baptisterium wurde Marimbaspieler Alex Jacobowitz vom Publikum geradezu überrannt. Nach seinem Konzert nahm er sich dennoch Zeit, sein ungewöhnliches Instrument zu erklären und die zahlreichen Fragen des Publikums zu beantworten. Auch das war typisch für diesen Langen Tag: Die Begegnungen endeten nicht mit dem letzten Ton.
Den großen Abschluss des Langen Tages bildete das Konzert im Kölner Dom. Domorganist Winfried Bönig und Bar Zemach ließen Orgel und Schofar miteinander in Dialog treten. Monsignore Robert Kleine gab dazu einen geistlichen Impuls, der die besondere Begegnung dieser beiden Klangwelten aufnahm. Das Schofar erfüllte den Dom mit ganz neuen Tönen. Der Klang wirkte archaisch und zugleich überraschend modern. In Verbindung mit der großen Domorgel entstand einer jener seltenen Momente, in denen Ort, Musik und Atmosphäre vollkommen zusammenpassen.
Dann schloss sich der Bogen zur Eröffnung in der Flora: Nachdem dort „Unsere Stammbaum“ auf dem Schofar erklungen war, spielte Bar Zemach im Kölner Dom mit „Du bes die Stadt“ eine weitere große Hymne der Bläck Fööss. Vom „Stammbaum“, der für die Vielfalt und das Zusammenleben in Köln steht, bis zu „Du bes die Stadt“, einer Liebeserklärung an Köln: Zwei kölsche Identitätslieder erklangen erstmals auf einem jüdischen Instrument. Vertraute Melodien bekamen einen vollkommen neuen Klang – und das Schofar wurde für einen Moment selbst zu einer kölschen Stimme. Auch hier hörten die Menschen zunächst mit großer Konzentration zu. Dann erhob sich das Publikum zu Standing Ovations.
IN TRAUM DES GROSSVATERS WURDE WIRKLICHKEIT
Bar Zemach war in diesen zehn Tagen weit mehr als ein Gast. Als Artist in Residence wurde er zum musikalischen Gesicht und zum verbindenden Klang des Festivals. Sein Großvater schenkte ihm das Schofar zum 18. Geburtstag. Damit verband er den Wunsch, sein Enkel möge die jüdische Tradition in die Welt tragen. Bar Zemach sagte dem WDR: „Dass Menschen das Schofar zum ersten Mal hören, bedeutet für mich, meine Kultur ein Stück zu teilen.“ Gerade in schwierigen Zeiten könne dieses Teilen von Kultur Menschen zusammenbringen.
Wie außergewöhnlich auch Bar Zemachs Hornspiel ist, hob der Kölner Stadt-Anzeiger hervor. Bei der „Chassidischen Rhapsodie“ von Lev Kogan habe Bar Zemach sein Horn „weinen, lachen, strahlen, schnattern, jauchzen“ lassen. Mit „SHALOM-MUSIK GOES SCHOOL“ brachte Bar Zemach den Schofar gemeinsam mit einem Streichquartett des Jewish Chamber Orchestra Hamburg auch an zwei Kölner Schulen, wo die Jugendlichen jüdische Musik nicht nur hören, sondern im persönlichen Gespräch mit den Musikerinnen und Musikern kennenlernen konnten.
DREI URAUFFÜHRUNGEN UND DREI UNTERSCHIEDLICHE STIMMEN
Drei Uraufführungen bildeten einen besonderen Schwerpunkt des Festivals. Shay Cohen vertonte vier Gedichte Hilde Domins für Männerchor, Horn und Klavier. Seine Musik nahm jedes einzelne Wort ernst und hüllte die Poesie, wie die Jüdische Allgemeine schrieb, warmherzig ein.
Gerald Cohens „Hineni – Here I Am“ verband das Schofar mit Klavier und Streichorchester. Das Werk sprach von Verantwortung, Vergewisserung und der Bereitschaft des Menschen, trotz aller Erschütterungen seinen Platz in dieser Welt einzunehmen.
Gilad Hochmans „In Memoriam“ machte Trauer, Erschütterung und das Leid nach dem 7. Oktober musikalisch erfahrbar.
Drei Werke, die unterschiedlicher kaum sein könnten: poetisch und warm, hoffnungsvoll und aufbrechend, trauernd und mahnend. Gemeinsam zeigten sie, was jüdische Musik heute sein kann.
NEUE TÖNE UND EIN TANZENDES PUBLIKUM
Mit dem Yiddish Summer Weimar zog noch einmal eine ganz andere Energie in das Festival ein. Alan Bern und sein Ensemble präsentierten keine museale Rückschau auf jiddische Musik, sondern einen lebendigen, zeitgenössischen und mitreißenden Abend. Die Musik war so fetzig, dass es viele Gäste nicht mehr auf ihren Stühlen hielt. Das Publikum tanzte, klatschte und ließ sich von der Spielfreude des Ensembles anstecken. Nach diesem Abend waren wir uns sicher: Diese Begegnung zwischen dem Yiddish Summer Weimar und SHALOM-MUSIK.KOELN war bestimmt nicht die letzte.
OFFENBACH MIT WITZ UND TIEFGANG
Bei „Offenbachs Geheimnis“ war Tina Teubner in Hochform. Gemeinsam mit Cellist Andreas Müller und Pianist Ben Süverkrüp erzählte sie die Lebensgeschichte des in Köln geborenen Jacques Offenbach. Sie war scharfzüngig, klug, musikalisch und ungeheuer komisch. Doch hinter dem Witz blieb immer der Blick auf den Menschen Offenbach, auf seine jüdische Herkunft, seine Erfolge und die Widersprüche seines Lebens. Das Publikum war begeistert und dankte dem Ensemble mit langem Applaus und Standing Ovations.
ZWEI GROSSE DAMEN DER MUSIK
Zum Ende des Festivals begegneten sich – zumindest sinnbildlich – zwei große Damen der Musik. Shura Lipovsky, die Grande Dame des jiddischen Liedes, brachte mit ihrem Ensemble Novaya Shira die ganze Poesie, Melancholie und Kraft jiddischer Musik auf die Bühne. Ihre Lieder erzählten von Erinnerung, Aufbruch und der Suche nach einem neuen Anfang.
Beim Abschlusskonzert folgte Dame Emma Kirkby, eine der bedeutendsten Interpretinnen der Alten Musik. Mit Psalmvertonungen von Salamone Rossi und Heinrich Schütz führte der letzte Abend jüdische und christliche Musikgeschichte zusammen.
Begleitet wurde sie vom Ensemble Art House 17 und Stipendiatinnen und Stipendiaten der Chorakademie des WDR Rundfunkchores unter Michael Hell.
Zwei große Künstlerinnen, zwei musikalische Welten – die eine tief in der jiddischen Musik verwurzelt, die andere eine große Stimme der Alten Musik. Ein wunderbarer Abschluss für ein Festival, das unterschiedliche Traditionen nicht nebeneinanderstellte, sondern miteinander ins Gespräch brachte.
Auch der letzte Abend endete so, wie wir es in diesen zehn Tagen immer wieder erleben durften: mit einem begeisterten Publikum und Standing Ovations.
EINE AUSZEICHNUNG, DIE UNS DANKBAR MACHT
Mitten im laufenden Festival durften wir in Berlin den Ehrenamtspreis für jüdisches Leben in Deutschland entgegennehmen. Diese Auszeichnung hat uns sehr berührt. Sie würdigt viele Jahre Arbeit, aber sie gehört nicht uns allein. Sie gehört allen, die SHALOM-MUSIK.KOELN aufgebaut, unterstützt und begleitet haben: den Künstlerinnen und Künstlern, unseren Partnerinnen und Partnern, Förderinnen und Förderern, Sponsorinnen und Sponsoren, unserem Team, den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern – und unserem Publikum.
Der Preis bestärkt uns darin, diesen Weg weiterzugehen. Gerade in einer Zeit, in der jüdische Menschen in Deutschland wieder verstärkt Anfeindungen und Bedrohungen erleben, wollen wir jüdisches Leben sichtbar und hörbar machen: nicht allein im Gedenken an Verfolgung und Vernichtung, sondern selbstbewusst, gegenwärtig, vielfältig und voller Lebensfreude.
DANKE FÜR DIE GRUSSWORTE BEI SHALOM-MUSIK.KOELN:
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes NRW
Derya Karadag, Bürgermeisterin der Stadt Köln
Gerd-Kurt Schwieren, Präsident des Kölner Männer-Gesang-Verein
Claudia Hessel, Vorsitzende Kölner Forum für Kultur im Dialog e. V. und Gesamtleitung SHALOM-MUSIK.KOELN
Ulrike Neukamm, Geschäftsführerin Kölner Forum für Kultur im Dialog e. V. und Künstlerische Leitung SHALOM-MUSIK.KOELN
DANKE
Ein Festival dieser Größe kann nur gemeinsam gelingen. Wir danken der Synagogen-Gemeinde Köln als unserer wichtigsten Partnerin, unserem Schirmherrn Ministerpräsident Hendrik Wüst, Kulturministerin Ina Brandes, der stellvertretenden Ministerpräsidentin Mona Neubaur sowie allen weiteren Vertreterinnen und Vertretern des Landes und der Stadt, die unser Festival begleitet haben.
Wir danken der Kunststiftung NRW, der Imhoff Stiftung, der Rhein Energie-Stiftung Kultur, der Sparkasse Köln Bonn, Rhein Energie und dem Flughafen Köln/Bonn für ihre wertvolle Unterstützung. Ebenso danken wir der Stadt Köln, unseren Kulturpartnern – darunter die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Deutsche Alpenverein, WDR 3 und die Chorakademie des WDR Rundfunkchores – sowie allen Spielstätten, die uns ihre Türen geöffnet haben.
Unser großer Dank gilt den Künstlerinnen und Künstlern für ihre Musik, ihre Geschichten und ihr Vertrauen – ebenso unserem Organisationsteam und den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ohne die diese zehn Tage nicht möglich gewesen wären.
Und schließlich danken wir Ihnen, unserem Publikum. Sie haben sich auf Unbekanntes eingelassen. Sie haben zugehört, gemeinsam gesungen, gelacht und nachgedacht. Sie haben unseren Künstlerinnen und Künstlern mit Ihrer Aufmerksamkeit und Ihren Standing Ovation etwas zurückgegeben.
SHALOM-MUSIK.KOELN 2026 hat gezeigt, was Musik vermag: Sie bringt Menschen zusammen, ohne Unterschiede zu verwischen. Sie schafft Nähe, ohne viele Worte zu brauchen. Sie macht jüdisches Leben in seiner ganzen Vielfalt hörbar. Und manchmal fühlt sie sich tatsächlich an wie eine große Umarmung.