SHALOM-MUSIK.KOELN – Festival der Jüdischen Musik und Vielfalt
Quelle: Kölner Illustrierte | Datum: 1. August 2026
Mit SHALOM-MUSIK.KOELN rückt jüdische Gegenwartskultur in den Kölner Stadtraum. Unter dem Motto „Zuhören“ versteht das Festival Musik als Form der Aufmerksamkeit, als Möglichkeit zur Begegnung und Zeichen für jüdisches Leben in Köln. Veranstaltet vom Kölner Forum für Kultur im Dialog und der Synagogen-Gemeinde Köln, verbindet das Programm historische Bezüge, religiöse Traditionen und zeitgenössische Positionen.
Der Leitgedanke ist bewusst gewählt. In einer Gegenwart, die von schnellen Urteilen, lauten Debatten und Polarisierung geprägt ist, setzt SHALOM-MUSIK.KOELN auf das Hinhören. Jüdische Musik erscheint dabei nicht als museales Erbe, sondern als lebendige, international vernetzte Kunstform. Das Spektrum reicht von liturgischen Klängen über jiddisches Lied, Klezmer, Folk und Jazz bis zur Alten Musik und zu Uraufführungen. So wird die Vielfalt jüdischer Kultur hörbar, ohne sie auf Klischees zu reduzieren.
Eine zentrale Rolle spielt das Schofar. Das uralte jüdische Ritualinstrument, dessen Klang eng mit religiösen Festen verbunden ist, wird durch den Berliner Musiker Bar Zemach in einen neuen Kontext gestellt. Zemach, Artist in Residence des Festivals und Solo-Hornist im Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra, zählt zu den wenigen Musikern, die das Schofar als virtuoses, chromatisches Soloinstrument auf der Bühne einsetzen. Seine Arbeit bewegt sich zwischen sakraler Tradition, Klangexperiment und zeitgenössischer Konzertpraxis.
Bereits der Auftakt setzt auf eine Verbindung von Kölner Geschichte und jüdischer Kultur. Unter dem Titel „Zu Gast bei Hilde Domin“ stehen neue Vertonungen von Gedichten der jüdischen Kölner Lyrikerin im Mittelpunkt. Der Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins trifft dabei auf die Berliner Sängerin Sharon Brauner und Bar Zemach. Chortradition, jiddisches Lied, Lyrik und Schofar-Klang werden so zu einer besonderen Konstellation verbunden.
Das weitere Programm zeigt die Spannweite jüdischer Musik zwischen Weltbühne und Veedel. Der Mandolinist Avi Avital und der Jazzpianist Omer Klein stehen für eine international geprägte Klangsprache, die Virtuosität und improvisatorische Offenheit verbindet. Dame Emma Kirkby, eine prägende Stimme der Alten Musik, ist ebenso vertreten wie das Jewish Chamber Orchestra Hamburg, das erstmals in Köln gastiert. Mit dem „Best of Yiddish Summer Weimar“ öffnet sich das Festival der lebendigen Klezmer-Szene, während Shura Lipovsky mit ihrem Ensemble Novaya Shira einen Abend zwischen Erinnerung und Poesie gestaltet. Ergänzt wird das Programm durch ein Porträt von Jacques Offenbach.
SHALOM-MUSIK.KOELN versteht sich als Festival für die ganze Stadt. Spielorte wie Synagoge, Kirchen, das MAKK oder die Volksbühne stehen neben offenen Formaten, die Begegnung ermöglichen. Dazu gehört auch der „Open Shabbat“, der jüdische Alltags- und Festkultur öffentlich erfahrbar macht. Zugleich stärkt das Festival Kölns Profil als Ort der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen. Seit seiner Gründung 2021 und der Etablierung im zweijährigen Rhythmus hat es sich zu einem Format entwickelt, das jüdische Musik als Teil der Gegenwartskultur sichtbar macht. Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben wieder stärker unter Druck steht, gewinnt dieses kulturelle Zeichen zusätzliche Bedeutung.