Ein Klang, der Brücken baut

Autor: Stephan Eppinger | Quelle: Westdeutsche Zeitung (Print)| Datum: 21. Mai 2026

Unter dem Motto „Zuhören“ findet vom 1. bis zum 10. September das Festival „Shalom-Musik.Koeln“ statt.

„Jüdinnen und Juden in Deutschland werden zunehmend bedroht. Umso wichtiger und schöner ist es, dass wir in Nordrhein-Westfalen alle eingeladen sind, die reiche kulturelle Tradition jüdischen Lebens zu feiern: Das Shalom Musikfestival unter dem Titel ‚Zuhören‘ ist ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt – der Schlüssel für ein friedliches, respektvolles Miteinander“, sagt NRW-Kulturministerin Ina Brandes über das diesjährige Festival „Shalom-Musik.Koeln“.

Dieses findet in diesem Jahr vom 1. bis zum 10. September mit 70 Konzerten an 25 Orten in Köln statt. „Zuhören kann eine Stadt verändern. ‚Shalom-Musik.Koeln‘ lädt dazu ein, jüdischer Musik wirklich zu begegnen – im Klang, im Gespräch, im gemeinsamen Erleben. Wer kommt, entdeckt eine Musik, die weit über bekannte Klischees hinausreicht: lebendig, international und überraschend“, erklärt Claudia Hessel, als Vorsitzende des Vereins Kölner Forum für Kultur, der das Festival zusammen mit der Synagogen-Gemeinde Köln veranstaltet.

Der Schofar ist ein uraltes jüdisches Ritualinstrument

„Wir mussten den Termin wegen der Gamescom vom August in den September verschieben. Jetzt findet das Festival kurz vor Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, dessen Beginn durch den durchdringenden Klang des Schofars markiert wird, dem die Menschen zuhören. Daher haben wir das diesjährige Motto auch ganz bewusst ausgewählt. Durch das Festival wollen wir Raum für Aufmerksamkeit, Dialog und Begegnung schaffen“, erklärt Programmleiterin Ulrike Neukamm.

Der Schofar, ein uraltes aus einem Horn geschaffenes jüdisches Ritualinstrument, spielt im Festival eine ganz zentrale Rolle. Gespielt wird dieses bei mehreren Konzerten vom „Artist in Residence“ Bar Zemach, ein junger Künstler aus Berlin, der als Solo-Hornist zum West-Eastern Divan Orchestra von Daniel Barenboim gehört. Als einer der ersten Künstler weltweit spielt er den Schofar als virtuoses, chromatisches Soloinstrument, mit dem er auch komplexe Melodien mühelos beherrscht.

„Es berührt mich zutiefst, als Botschafter der uralten Klänge des Schofars zum ersten Mal in Köln zu spielen, dessen Musikszene mich schon immer beeindruckt hat, und als Residenzkünstler in ‚Shalom-Musik.Koeln‘ geehrt zu werden. Mein Schofar habe ich von meinem Großvater bekommen, mit der Hingabe, darauf wahrhaft musizieren zu können, und dass ich vor dem Kölner Publikum spielen darf, empfinde ich große Dankbarkeit und kulturelle Verantwortung. Ich freue mich ganz besonders auf das Spielen im Kölner Dom, was ein großer Meilenstein für mich ist sowie höchster Ausdruck des komplexen Dialogs, den ich mit jedem Ton anstrebe“, sagt Zemach.

Zu den Highlights des Festivals zählt am 1. September das Eröffnungskonzert „Zu Gast bei Hilde Domin“ in der Kölner Flora. Im Zentrum des Abends steht die Uraufführung von vier Vertonungen von Gedichten der jüdischen Lyrikerin aus Köln, die extra für das Festival komponiert wurden. Auf der Bühne versammeln sich dann der Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins, die Berliner Sängerin Sharon Brauner und Bar Zemach.

Weitere Höhepunkte von „Shalom-Musik.Koeln“, das unter der Schirmherrschaft des NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst steht, sind unter anderem das Konzert des Mandolinisten Avi Avital und des bekannten Jazzpianisten Omer Klein am 3. September im Ventana in Sülz und der „Open Shabbat“ mit dem aus Woodstock stammenden Rabbi Jonathan Kligler am 4. September in der Antoniter Kirche. „Das ist etwas, was sonst nur im intimen Kreis der Familie oder der Gemeinde stattfindet. Beim Besuch erfahren die Gäste, wie Juden den Freitag an Shabbat feiern und erhalten so auch einen besonderen Einblick in ihren Alltag“, sagt Neukamm.

Erstmals beim Kölner Festival zu Gast ist am 5. September im Ventana-Saal das junge Jewish Chamber Orchestra aus Hamburg mit „Tikkun Olam“. „Das Orchester wurde ursprünglich 1934 in Hamburg gegründet, musste aber schon zwei Jahre später auf Druck des NS-Regimes seine Arbeit einstellen. 2018 wurde es von Dirigent Emanuel Meshvinski mit jungen Musikerinnen und Musikern wieder neu gegründet.“

„Durch das Festival wollen wir Raum für Aufmerksamkeit, Dialog und Begegnung schaffen.“

Ulrike Neukamm

Neu im Programm ist am 5. September auch das Familienkonzert am selben Ort. Von Anfang an gibt es dagegen den „Langen Tag mit jüdischer Musik“. Dieser bietet am Sonntag, 6. September an 15 verschiedenen Orten in der Stadt von der Synagoge bis zum Dom mit 40 Musikerinnen und Musikern 50 Kurzkonzerte bei freiem Eintritt. Zu den Grand Dames der jiddischen Musik gehören Shura Lipovsky, die am 9. September in der Volksbühne jiddische Lieder präsentiert, und Weltstar Dame Emma Kirkby, die am 10. September beim Abschlusskonzert in der Trinitatiskirche zu erleben ist.

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Festival SHALOM-MUSIK.KOELN

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70 Konzerte an 25 Spielorten