Forum 321 – Dezember 2025
Es war ein intensiver, stellenweise auch unbequemer Abend im Stiftersaal des Walraff-Richartz-Museum – bereits die dritte Ausgabe des Forum 321, realisiert in Zusammenarbeit mit dem Kölner Forum für Kultur im Dialog, den MiQua-Freunden, dem MiQua – LVR-Jüdisches Museum im Quartier und der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Rund 200 Gäste kamen zusammen, um über ein Thema zu sprechen, das aktueller kaum sein könnte.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie jüdisches Leben heute im Schul- und Lernbereich vermittelt wird – und wo das System an seine Grenzen stößt. Schnell wurde deutlich: Es fehlt nicht nur an Wissen, sondern oft auch an Sicherheit im Umgang mit dem Thema. Jüdisches Leben erscheint im Unterricht noch immer zu häufig reduziert auf Verfolgung und Holocaust – die Gegenwart bleibt unsichtbar.
Auf dem Podium trafen unterschiedliche Perspektiven aufeinander: aus Politik, Bildungsarbeit und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Mit dabei waren unter anderem die damalige Familienministerin Josefine Paul, Sabena Donath, Shai Hoffmann, Ruth-Anne Damm und Samantha Bornheim . Die Moderation übernahm Sabine Rau.
Die Diskussion ging spürbar in die Tiefe. Es wurde offen darüber gesprochen, dass viele Lehrkräfte sich allein gelassen fühlen – zwischen dem Anspruch, aufzuklären, und der Angst, Konflikte im Klassenzimmer nicht auffangen zu können. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass strukturelle Veränderungen zu langsam vorankommen: Lehrpläne seien oft überholt, Fortbildungsangebote nicht flächendeckend, und die Perspektiven jüdischer Gegenwart kämen zu selten vor.
Auch die Frage nach Verantwortung stand im Raum: Wer sorgt dafür, dass jüdisches Leben nicht nur Thema von Projekttagen bleibt? Und wie gelingt es, junge Menschen so zu erreichen, dass Wissen nicht nur vermittelt, sondern auch verinnerlicht wird?
Die musikalischen Beiträge setzten dazu einen besonderen Kontrapunkt. Die Kapelle um Immo Federolf griff Schlager und Musik der Weimarer Republik auf – eine Zeit, in der viele jüdische Künstler das kulturelle Leben geprägt haben. So wurde hörbar, dass es hier nicht nur um Geschichte geht, sondern um eine lebendige kulturelle Tradition.
Am Ende blieb kein fertiges Ergebnis, aber ein klares Gefühl: dass diese Diskussion notwendig ist – und dass sie weitergeführt werden muss.